Forensisch-Psychiatrischer Dienst (FPD)

Die forensische Psychiatrie ist ein Fachgebiet, das sich in besonderer Weise mit rechtlichen Aspekten befasst, die sich im Zusammenhang mit psychischen Störungen ergeben können. Dazu zählen im Wesentlichen: die Beantwortung gutachterlicher Fragestellungen auf verschiedenen Rechtsgebieten, sowie die störungsspezifische und deliktorientierte Behandlung von Tätern im Dienst des Opferschutzes.

Zu den Aufgaben des FPD gehören Lehre und Forschung sowie Dienstleistungen in den Bereichen Begutachtung und Therapie.

Dienstleistungsangebot

In der folgenden Übersicht finden Sie eine Auswahl von forensisch-psychiatrischen Fragestellungen, die im FPD im Rahmen von Begutachtungen durch Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie beantwortet werden. Bei speziellen Fragestellungen (z.B. Persönlichkeitsdiagnostik, intellektuelle Leistungsfähigkeit) werden forensisch erfahrene Psychologen beigezogen.

Strafrecht / Strafprozessrecht

  • Schuldfähigkeit
  • Kriminalprognose
  • Indikation von Massnahmen nach dem StGB
  • Zumutbarkeit der Haft ("Hafterstehungsfähigkeit")
  • Einvernahme- und Verhandlungsfähigkeit

Zivilrecht

  • Handlungs- und Urteilsfähigkeit
  • Testierfähigkeit
  • Erwachsenenschutzrechtliche Massnahmen
  • Prozessfähigkeit

Sozialversicherungsrechtliche Fragen

  • Erwerbsunfähigkeit

Für weitere Fragenstellungen beraten wir Sie gerne telefonisch.
Die Begutachtungen werden je nach Notwendigkeit in der Untersuchungshaft, im Strafvollzug oder im FPD durchgeführt.

Der FPD führt in den Justizvollzugsanstalten folgende therapeutische Massnahmen durch:

  • Ambulante Therapie nach Art. 63 StGB und vollzugsseitig angeordnete Therapien in den Justizvollzugsanstalten des Kantons Bern: Hindelbank, Witzwil, Thorberg
  • psychiatrische Grundversorgung in den Justizvollzugsanstalten des Kantons Berns und den Regionalgefängnissen Bern, Biel, Burgdorf (erweitertes Angebot) und Thun (erweitertes Angebot)
  • stationäre Therapien nach Art. 59 und 60 StGB in der spezialisierten Massnahmenabteilung der JVA Hindelbank

Dienstleistungsangebot im Einzelnen

  • Störungsspezifische- und deliktorientierte Einzeltherapie
  • Gruppentherapien und Trainingsprogramme
  • Pharmakotherapie, inklusive antiandrogener Behandlung
  • Psychiatrische Grundversorgung
  • Berichterstattung an Behörden
  • Beratung von Behörden und Einrichtungen
  • Angehörigengespräche

Programme für inhaftierte Frauen

  • Reasoning and Rehabilitation 2 For Girls and Young Women: A Prosocial Competence Training Program (Gailley, Y., Cooper, W., Ross, R. R., & Hilborn, J., 2008)
  • Helping Women Recover: A Program for Treating Addiction, Revised Edition (Covington, S. S., 2008)
  • Beyond Trauma: A Healing Journey for Women (Covington, S. S., 2003)
  • Schematherapie-Gruppe für forensische Patientinnen auf der Grundlage von: Beckley, K. A., & Gordon, N. S. (2010). (Manual von den Autorinnen zur Nutzung überlassen).

Programme für inhaftierte Männer

  • Reasoning and Rehabilitation 2: Short Version for Adults (Ross, R. R., Hilborn, J., & Liddle, P., 1984)
  • Das Anti-Sexuelle-Aggressivität-Training®-Suisse: ASAT®Suisse, 2. Auflage (Falk, O., & Steffes-enn, R., 2014)

Allgemeine Programme

  • Arbeitsbuch PsychoEdukation bei Schizophrenie, APES, 2. Auflage (Bäuml, J., Pitschel-Walz, G., Berger, H., Gunia, H., Heinz, A., & Juckel, G., 2010)
  • Rückfallprophylaxe bei Drogenabhängigkeit: Ein Trainingsprogramm (Klos, H., & Görgen, W., 2009)

Dienstleistungsangebot

Das therapeutische Angebot richtet sich an Personen

  • die ein Gewalt-, Sexual-. oder anderes Delikt begangen haben und an einer mit dem Delikt in Zusammenhang stehenden psychischen Störung leiden;
  • bei denen seitens der Justiz eine therapeutische Massnahme nach Art. 63 oder 59 StGB oder eine Ersatzmassnahme angeordnet wurde;
  • die aus der Haft bedingt entlassen wurden und eine Weisung erhalten haben, eine begonnene Therapie ambulant fortzusetzen;
  • die in einem noch nicht abgeschlossenen Strafverfahren stehen und eines Deliktes beschuldigt werden, das vermutlich in Zusammenhang mit einer psychischen Störung steht.

Behandlungsteam

Das Team setzt sich multiprofessionell aus Fachärzten/Fachärztinnen für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychologen/Psychologinnen zusammen.

Voraussetzungen

Die Voraussetzungen für eine Behandlung im Forensisch-Psychiatrischen Ambulatorium sind:

  • eine Verurteilung wegen eines Gewaltdeliktes, eines Sexualdeliktes oder einer anderen Straftat;
  • eine durch die Ärzte/Therapeuten des Ambulatoriums festgestellte Behandlungsindikation für eine ambulante Therapie sowie die Behandelbarkeit der Person im ambulanten Setting;
  • die Behandlungsbereitschaft der Person, dokumentiert durch den Abschluss eines schriftlichen Therapievertrags;
  • im Bedarfsfall auch die Bereitschaft zur Durchführung von Kontrollmassnahmen, wie Blutspiegelkontrolle von Medikamenten, Drogenscreenings und Alkoholtests;
  • die Zustimmung der Person zur Einsichtnahme in das Strafurteil, den Strafregisterauszug, frühere psychiatrische Begutachtungen und frühere Krankenakten;
  • Entbindung des Therapeuten von der Schweigepflicht gegenüber anderen, an den Massnahmen sowie am sozialen Reintegrationsprozess Beteiligten

Nicht aufgenommen werden können:

  • Personen, bei denen eine Suchterkrankung im Vordergrund steht;
  • Personen, die aufgrund ihrer Erkankung oder ihrer sozialen Lage nicht ausreichend im ambulanten Setting behandelt werden können.

Ziel der Behandlung

Ziel der Behandlung ist es, erneute Straftaten zu verhindern. Dazu stehen Einzel- und Gruppentherapien zur Verfügung. Zusätzlich findet eine Vernetzung der Hilfe- und Nachsorgesysteme (Bewährungshilfe, niedergelassene Ärzte/Ärztinnen, Beratungsstellen, Wohneinrichtungen, etc.) statt.

Administrative Aufgaben

  • periodische Berichterstattung an Behörden
  • Vernetzungsgespräche mit allen an der Behandlung beteiligten Instanzen(Einweisungsbehörde, Bewährungshilfe, Wohnheim, evtl. Arbeitgeber, Sozialdienst, evt. Beistand u.a.)

Aufnahmeprozedere

1. Kontaktaufnahme mit dem Sekretariat des Ambulatoriums drei Monate vor absehbarer Entlassung und Übersenden aller relevanten Unterlagen;
2. Nach Eingang der Akten, Prüfung der Anmeldung durch das Aufnahmeteam;
3. Erstgespräch mit dem Patienten;
4. Einholen notwendiger Informationen;
5. Bescheid an den Überweiser / Auftraggeber

Sekretariat Begutachtung

B. Fischer / U. Linder

Telefon +41 31 631 32 30

Sekretariat Strafvollzug

U. Bieri / N. Anesi

Telefon +41 31 631 32 46

Sekretariat Ambulatorium

R. Blum

Telefon +41 31 631 41 90