Forensische Physik und Ballistik

Das Zentrum für Forensische Physik/Ballistik (ZFPB) führt dynamische Rekonstruktionen von Tathergängen mit Schusswaffen sowie bei scharfer und stumpfer Gewalt durch. Die Untersuchung der Gefährlichkeit geworfener, geschossener und geschlagener Objekte, „nicht‐letaler“ Waffen und Geräte gehört auch zu unseren Aufgaben.

Eine enge Zusammenarbeit mit der Abteilung Forensische Medizin und Bildgebung erlaubt die Bearbeitung von interdisziplinären Gutachten die räumliche, kriminaltechnische, physikalische und medizinische Befunde zusammen bringen. Das ZFPB ist schweizweit sowie im Ausland tätig und arbeitet oft mit den verschiedenen Kriminaltechnischen Diensten und Instituten für Rechtsmedizin anderer Kantone zusammen.

Die forensische Physik untersucht die scharfe und stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Menschen. Mittels verschiedener Verfahren werden die Phänomene, welche in der forensischen Praxis auftreten untersucht:

  • Die Gefährlichkeit von geschlagenen und geworfenen Gegenständen kann durch Schlagenergiemessungen und Wurfenergiemessungen untersucht werden.
  • Die mechanische Gefährlichkeit von Flüssigkeitsstrahlen z. B. Pfefferspray kann mit Hilfe von Druckmessungen und Hochgeschwindigkeitsaufnahmen bestimmt werden.
  • Stich- und Schlagereignisse können anhand eines Fallturms rekonstruiert werden.
  • In Zusammenarbeit mit der mechanischen Werkstatt können eine Vielzahl an Situationen zur Fallrekonstruktion nachgestellt werden.
  • Die Gefährlichkeit von Knallereignissen kann mit Hilfe von Knalldruckmessungen bestimmt werden.

Die forensische Ballistik wird in die zwei Hauptgebiete allgemeine Ballistik (Innen-, Aussen- und Zielballistik) und Wundballistik geteilt.
Die allgemeine Ballistik untersucht die verschiedenen Phasen der Schussentwicklung, von der Zündung bis zum Treffer. Beispiele solcher Untersuchungen sind die Flugbahnrekonstruktion von Fernschüssen und das Messen des Abprall- oder Durchschussverhaltens verschiedener Geschosstypen. Die Ergebnisse der Untersuchungen wendet das ZFPB zur Tatrekonstruktion besonderer Schussfälle an.
Die Wundballistik untersucht die Verletzungsmechanismen im biologischen Gewebe, was das ZFPB zur Begutachtung unüblicher Schussverletzungen mittels ballistischer Simulanzien nutzt. Es werden auch Untersuchungen zur Gefährlichkeit diverser Einsatzmittel der polizeilichen Behörden gemacht.
Das ZFPB besitzt dafür spezifische Geräte wie Dopplerradar, Geschwindigkeitsmessanlagen und Hochgeschwindigkeitskamera, um die Geschwindigkeit eines Geschosses in besonderen Situationen (Direktschuss, Durchschuss, Abpraller, usw.) zu messen, sowie Anlagen zur Herstellung diverser Simulanzien.
In gewissen Fällen kommen beide Bereiche zusammen, um besonders komplexe Schussfälle zu untersuchen und zu rekonstruieren. Das ZFPB arbeitet dafür sehr eng mit der Abteilung für Forensische Medizin und Bildgebung zusammen und kann damit eine Schnittstelle zwischen Kriminaltechnik, Medizin und den Behörden darstellen. Dies erlaubt uns die Generierung von 3D-Modellen zur Visualisierung des Tatortes oder des Tatablaufes und den Vergleich der Flugbahnen mit der Topographie des Ortes.
Das ZFPB ist schweizweit und im Ausland tätig und erfüllt Gutachtenaufträge auf Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch, dies in Zusammenarbeit mit den Sachbearbeitern anderer Institute und Dienststellen. Wir bieten auch Ausbildungen für Forensiker, Kriminaltechniker und Mediziner im Bereich der End- oder Wundballistik an, wie zum Beispiel den jährlichen Swiss International Wound Ballistics Workshop.

Gestützt auf die 3D-Aufnahmen der Forensischen Bildgebung, ergänzt das ZFPB die Blutspurenanalysen durch die ballistischen Rückrechnungen der Flugbahnen von Blutstropfen. Diese können auch mit 3-D Rekonstruktionen von Schussfällen kombiniert werden.