Institut für Rechtsmedizin

Laufende Projekte

“Grenzwert von Cannabinoiden in Blut und Fahreignungsabklärung"

Projektleitung

Prof. Wolfgang Weinmann, Forensische Toxikologie und Chemie, Institut für Rechtsmedizin, Universität Bern

Projektbeteiligte

MSc Marianne Hädener, Forensische Toxikologie und Chemie, Institut für Rechtsmedizin, Universität Bern
Dr. Stefan König, Forensische Toxikologie und Chemie, Institut für Rechtsmedizin, Universität Bern
Dr. Marie Martin Fabritius, Forensische Toxikologie und Chemie, Institut für Rechtsmedizin, Universität Bern
Dr. Christian Giroud, Universitätszentrum für Rechtsmedizin Lausanne - Genf

Projektdaten

Förderinstitution: IRM Bern
Förderungsdauer: seit 08.2014

Abstract

Gemäss Schweizer Strassenverkehrsgesetz ist die Fahreignung bei einer Drogenabhängigkeit nicht gegeben. Bei Verdacht auf einen chronischen bzw. regelmässigen Cannabiskonsum muss sich der Fahrzeuglenker deshalb einer medizinischen Begutachtung seiner Fahreignung unterziehen. Eine zuverlässige Unterscheidung zwischen gelegentlichem und regelmässigem Cannabiskonsum ist demzufolge entscheidend für die Fahreignungsabklärung.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass das Cannabis-Stoffwechselprodukt Tetrahydrocannabinolcarbonsäure (THC-COOH) als Indikator für die Konsumfrequenz dienen kann: aufgrund der langen Halbwertszeit beobachtet man im Blut von regelmässigen Cannabiskonsumenten eine Akkumulation dieses Metaboliten.

Auf Empfehlung der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) kann eine Blutkonzentration von freier THC-COOH ≥ 40 μg/L als Indiz für einen häufigen Cannabiskonsum (> zweimal pro Woche) betrachtet werden. Die Sensitivität dieses Grenzwertes ist allerdings limitiert, da bei seiner Festlegung die Glucuronidierung der THC-COOH (als Hauptkonjugationsreaktion im Phase-II-Metabolismus) nicht berücksichtigt wurde. Es wird davon ausgegangen, dass die Konzentration an freier THC-COOH nicht nur von der Konsumhäufigkeit abhängt, sondern auch von der individuellen Glucuronidierungsrate. Bei einem Cannabis-Konsumenten mit einer geringen Glucuronidierungsrate wird der Grenzwert von freier THC-COOH ≥ 40 μg/L Vollblut folglich eher überschritten als bei einem Konsumenten mit höherer Glucurononidierungsrate.

Ziel des vorliegenden Projekts ist die Festlegung eines zusätzlichen Grenzwertes zur verbesserten Erkennung von regelmässigem Cannabis-Konsum, welcher auf der Summe von freier und glucuronidierter THC-COOH beruht. Dazu werden Blutproben von gelegentlichen und regelmässigen Cannabis-Konsumenten, die im Rahmen einer klinischen Studie im Universitätszentrum für Rechtsmedizin Lausanne – Genf gesammelt wurden, mittels LC-MS/MS quantitativ auf THC-COOH und THC-COOH-Glucuronid analysiert. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass unter Hinzuziehung des THC-COOH-Glucuronids eine höhere Sensitivität zur Erkennung des regelmässigen Konsums erzielt werden kann.